Dancing in the Dark


Jedes Jahr im Januar ist es soweit: Die Szene der Großgruppen-ModeratorInnen trifft sich bei Mathias zur Bonsen in Oberursel zum Lernforum Großgruppen. Und immer wieder wird es am Sonntag, dem ersten Tag, spannend: hier kommt stets ein neuer Impuls, manchmal skurril, oft überraschend und immer sehr spannend.

Dieses Mal ein echtes Experiment: 140 Menschen arbeiten zusammen in einem komplett abgedunkelten Raum – alle, jeder und jede zu 4er-Gruppen im Stuhlkreis. Und nichts, aber auch gar nichts leuchtet. Armbanduhren, Handys werden abgelegt und weggesteckt, sogar die Leuchtdioden von Mikros und Verstärkern sind abgeklebt. Alle Ritzen an Fenstern und Türen sind abgedichtet. Zum Glück gibt’s eine Klimaanlage… Aber sehen können wir nichts mehr! Ganz gleich, ob du die Augen zu machst oder öffnest: Diese absolute Schwärze bleibt undurchdringlich für den Blick.

Dancing in the dark2

Natürlich gibt es einen ein Notausstieg: Für die Kleingruppen liegen in der Mitte zwei kleine Leuchtstäbchen. Wer einen knickt und hochhält, wird sorgsam nach draußen eskortiert. Doch das wird nicht vorkommen.

Und was passiert in dieser Schwärze?

Alles ist anders: die üblichen Diskussionen in den Kleingruppen sind eindringlich, weil viel leiser, fast flüsternd tauschen wir uns aus. Viel aufmerksamer sind wir. Mit Gegenständen, die man sich von Hand zu Hand im Dunkeln tastend weitergibt, steuern wir die Diskussion. Mit vorsichtigen Berührungen – keiner will „grapschen“ oder „touchen“, und Gesten oder Mimik sind nicht zu sehen. Dieses Experiment läuft zweimal ganze 90 Minuten – am Ende sogar mit Diskussionen im Plenum und alles in der vollkommenen Dunkelheit! Unsere Kleingruppe hat allerdings ein Manko ausgemacht:

„Wir sitzen hier im Dunkeln nur rum – das geht gar nicht. Warum bewegen wir uns nicht?!“

Gesagt, getan: Der Montag des Lernforums ist stets ein Open Space und immer mit dem Thema: Wie können wir die Arbeit mit großen Gruppen voran bringen? Da hat doch unsere Kleingruppe gleich eine Session dazu angeboten: „Dark Room in Motion – 90 Minuten Bewegung im Dunkeln“.

In einem kleineren, aber ebenfalls völlig abgedunkelten Raum hat dann die Session-Gruppe (15 TeilnehmerInnen) experimentiert. Wie bewegt man sich, wie finden Gruppenbildung und Gruppenwechsel statt? Wie wird sinnvoll diskutiert, wie werden Meinungen transferiert?

Nach mancherlei Ausprobieren mit Kreisbildung, verbalem Durchnummerieren und Hand-an-Hand-fassen kam dann der Hype: Schluss mit den intellektuellen Diskursen, wir tanzen!

Wie geht das im Dunkeln, ohne Un- und Umfälle?

Prima, wenn sich alle achtsam bewegen – am Ende haben nahezu alle paarweise Walzer getanzt im stockdunklen Raum. Und die Auswertung hat gezeigt: Achtsamkeit, Selbstverantwortung und Spaß am Experiment gehen prima im Dunkeln – wie’s aussieht sieht ja keiner ;-)

Über Klaus Heil

Klaus Heil ist Leiter des Fundraisingbüros der Diözese Hildesheim, einer bundesweit tätigen Agentur für Fundraising und Organisations-entwicklung. Das Fundraisingbüro ist zentraler Kooperationspartner des Zentrums für systemisches Fundraising.

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