„Fragen können wie Küsse schmecken“


Weihnachtszeit - Zeit für Geschenke

Weihnachtszeit – Zeit für Geschenke © powerstock-Fotolia

Gute Fragen sind wie ein Geschenk – Lesetipps für die Winterzeit

Weihnachten steht vor der Tür. Die Zeit des Schenkens und Beschenktwerdens – und zwar nicht nur materiell (es geht jetzt nicht um die Geschenkeberge oder den Konsumterror), sondern vor allem spirituell, sinnlich, emotional. Es ist eine Zeit, in der wir viel darüber nachdenken, was der Andere braucht oder was ihr/ihm Freude machen könnte.

Und genau das ist schon der erste Türöffner für gelungene Fragen: dieses ganz-bei-dem-anderen-Sein. Gerade erst habe ich es wieder in einer Konfliktmoderation erleben dürfen, wie meine Fragen zu Schlüsseln für die Tore meines Gegenübers wurden, wie sich betrübte Herzen und belastete Seelen öffnen und anvertrauen konnten und mich einließen. Kluge Fragen ebnen den Weg von der Oberfläche in die notwendige Tiefe – ich erinnere an dieser Stelle gerne an das Eisberg-Modell

Doch was braucht es, um solche Fragen zu finden?

Es gibt ausreichend Literatur über die Methoden des Fragens. Was ich hier nicht meine, sind die klassischen Interview-Techniken. Ich arbeite vor allem mit systemischen Fragetechniken. Ihr zentrales Kennzeichen ist, dass sie versuchen, einen neuen Denkraum, eine veränderte Perspektive und – wenn man so will – einen anderen Fokus auf ein Problem zu ermöglichen. Das ist so ungefähr so, wie einen Lichtstrahl ins Dunkle zu schicken und zu schauen, wo er landet. Was dann plötzlich in einem neuen Licht erscheint und sichtbar wird, nennt man in der Fachsprache die „blinden Flecken“.

Unser Lesetipp

Unser Lesetipp

Das Buch von Carmen Kindl-Beilfuß „Fragen können wie Küsse schmecken“ gibt wertvolle Impulse für den eigenen Umgang mit Fragen und sei Ihnen ans Herz gelegt!

Gute Fragen bewirken nichts anderes, als das verborgene innere Wissen des Gegenübers (wieder) verfügbar zu machen.

Denn alle Lösungen für ein Problem, eine Unklarheit oder die Klärung eines Konfliktes tragen die Beteiligten schon längst in sich. Sie selbst sind die Experten (sie merken oder glauben es nur in dem Moment nicht). Als Coach, Sparringspartner, Beraterin ist es also nicht mein Job, Lösungen zu liefern, von denen ich glaube, sie wären gut und das Richtige für die Betroffenen. Stattdessen formuliere ich meine Fragen so, dass mein Gegenüber sein Wissen über Lösungen selbst erarbeiten kann. Sind mehrere Personen beteiligt, wird oft viel Übereinstimmung sichtbar – ein wichtiger Schritt zur Konfliktbewältigung. Grundlage für die Formulierung meiner Fragen sind meine Beobachtungen beim Zuhören und die Hypothesen, die ich daraus ableite.

Flirte mit deinen Hypothesen, aber heirate sie nicht!

Hypothesen sind Annahmen über Motive, Beweggründe, Denk- und Handlungsmuster und die innere Haltung des Anderen. Wir treffen sie ohnehin immer und unbewusst. Als Coach und Beraterin arbeite ich mit meinen Annahmen und nutze sie vor allem für die Formulierung von Fragen. Das geht wunderbar, wenn man die Frage so stellt, als würde man über Dritte reden. Beispiel: „Was glauben Sie, würde Ihr bester Freund/Ihre beste Freundin Ihnen raten?“ (dies stützt sich auf die Annahme, dass die Lösung schon ganz vorne liegt, aber noch nicht ausgesprochen werden kann). Coachees, die schon länger mit mir arbeiten, frage ich gerne: „Wenn Sie sich jetzt in mich hineinversetzen, was denken Sie dann, was ich Ihnen auf Ihre Frage/Ihr Problem antworten würde?“

Und noch ein Lesetipp

Und noch ein Lesetipp

Aber am allerliebsten arbeite ich mit der „Wunderfrage“  (und das ist zugleich unser zweiter Buchtipp). Immer dann, wenn ich denke, das Gegenüber blockiert sich gerade selbst mit Vermeidungs- und Abwehrargumenten (z. B. die typische Ja-aber-Schleife) stelle ich nach einer Aufwärmphase und wenn „die Chemie stimmt“ diese Frage(n):

„Nehmen wir einmal an, du gehst nach unserem Gespräch nach Hause. Du schläfst abends ein und über Nacht passiert ein Wunder. Das Problem, das du lösen wolltest, ist schon gelöst, oder das Ziel, das du erreichen wolltest und über das du gesprochen hast, ist schon erreicht worden. Einfach so. Schnipp! Du hast es nicht einmal gemerkt. Und du weißt auch nicht, dass und wie das Wunder geschehen ist; weil du ja geschlafen hast! Woran wirst du am Morgen, wenn du aufwachst, als erstes erkennen, dass ein Wunder passiert ist? Was ist jetzt anders als vorher? Und wie hast du das erreicht? Woran werden andere erkennen, was anders ist und dass du dein Ziel erreicht hast?“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen, dass auch Sie das Wunder der Weihnacht erreicht!

2014-12 Weihnachtsgrufl

Über Susanne Reuter

Susanne Reuter ist geschäftsführende Gesellschafterin der Zentrum für Systemisches Fundraising. Seit 2005 verbindet sie systemische Organisationsberatung mit Fundraising und führt die Methode Systemisches Fundraising in die Fundraisinglandschaft ein.

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