Klein, aber fein: Der 8. Ökumenische Fundraisingtag in Hannover


Mit rund sechzig TeilnehmerInnen war die Veranstaltung ein besonderes Erlebnis. Warum? Ganz einfach: Weniger ist mehr!

Gestern, an einem wetterwendischen Samstag im Mai, trafen sich interessierte Menschen aus Pfarreien, Gemeinden, Kirchenkreisen und Einrichtungen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und des Bistums Hildesheim zum Ökumenischen Fundraisingtag (ÖKFT) – immerhin schon zum achten Mal in Hannover.

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Alle Fotos: Holger Groß

In diesem Jahr ganz neu: Die Masterclasses

Das sind ganztägige Workshops für alle, die es einmal ganz genau wissen und vertieft hinter die Kulissen des Fundraisingaufbaus schauen wollen – eine Erfahrungsaustauschschmiede für die angehenden Profis unter den TeilnehmerInnen. Zwei Masterclasses standen auf dem Programm, eine davon hätte ich zu gerne selbst besucht („Leben mit Halbwissen: Vom Handeln im Chaos“ der geschätzten Kollegen, die Gebrüder Schwier). Zumal ich beim kollegialen Plausch vor dem Start bei deren Vorbereitung ein wenig spionieren durfte: Visualisierung ausschließlich auf handgefertigten Flipcharts – klasse! Auf jeden Fall werden wir die kollegiale Hospitation gegenseitig nachholen, denn diesen beiden Referenten erging es ebenso wie mir.

Das Zentrum für Systemisches Fundraising war auch dabei

_MG_1555 copyIn der Masterclass zum Thema „Nicht noch ein Konzept! – das Management von Gremien und Leitungen“ habe ich mir mit den TeilnehmerInnen angeschaut, woraus sich die innere Haltung zum Fundraising speist (bei Leitungspersonen, EntscheiderInnen, Gremienmitgliedern und so weiter – also eigentlich bei jedem in der Organisation), welchen Einfluss man als FundraiserIn darauf hat und dann wieder doch nicht, wie wichtig Rollenklarheit, Mandat und Auftrag sind, wie wenig nebulöse Erwartungshaltungen auf allen Seiten zum Erfolg beitragen, was es mit Verantwortung und Selbstverantwortung in diesem Kontext auf sich hat und an welcher Stelle was mit wem auszuhandeln wäre. Mit dieser Frage gingen die TeilnehmerInnen in die Mittagspause.

Ein Highlight: Die Keynote nach dem Mittagessen

Dr. Martin Dodenhoeft, Leiter Kommunikation und Marketing des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. und Vorsitzender des Deutschen Fundraisingverbandes war eigentlich gar nicht dafür vorgesehen. Aber wie das Leben so spielt, erkrankte der im Vorfeld engagierte Referent kurz vorher. Ohne Martins beherztes Einspringen wäre die alljährliche Intervention gegen das Suppenloch ausgeblieben. So wurde das leicht verringerte und zum Teil etwas mittagsmüde Publikum kurzer Hand mit einer launigen Ansprache zum Thema „Wer ist die Melkkuh? – Wie man Vertrauen gewinnen und wieder verlieren kann“ wieder aufgeweckt – viele Lacher zu Martins anekdoten- und tierreichen Geschichten aus dem wahren Leben eines Fundraisers.

Nebenbei bekomme ich sogar ein handsigniertes Exemplar von Martins Katzenkrimi!

Nebenbei schenkt Martin mir sogar noch ein handsigniertes Exemplar von seinem Katzenkrimi!

Weiter ging‘s mit dem zweiten Teil der Masterclasses

Des „Pudels Kern“ in meinem Workshop war dann natürlich die Frage nach der „richtigen Stelle“, die die angemessene innere Haltung zum Fundraising braucht und mit der die Rahmenbedingungen für erfolgreiches Fundraising verhandelt werden müsste (in der Regel sind das eben die Leitungen und Gremien). Automatisch folgt dem die Frage: Vor welcher Herausforderung also stehen denn jetzt die TeilnehmerInnen jeweils ganz genau?

Wir haben uns deshalb mit dem Instrument der Systemvisualisierung herangetastet und für jede/n den springenden Punkt erfasst, aber auch individuelle Handlungspläne daraus abgeleitet.

_MG_1541 copy (2)Für meine Masterclasss war genau jetzt der klein-aber-fein-Charakter überdeutlich zu spüren: Es hatte sich eine nur sehr kleine Gruppe für diesen Workshop angemeldet – fast wäre sie sogar noch kurz vorher abgesagt worden, als es plötzlich einige Stornierungen und Wechsel gab. Von den TeilnehmerInnen, die schließlich kamen, gab es am Ende sehr positive Rückmeldungen für den intimen Rahmen, weil er ihnen ermöglicht hat, sehr individuell zu arbeiten und dabei ein nahezu persönliches Coaching zu erhalten. Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, zukünftig die Masterclasses von vorne herein auf eine geringere Anzahl von TeilnehmerInnen zu beschränken. Das bringt mich immer wieder zu der Überlegung:

Müssen Fachtage eigentlich immer an einer besonders hohen Teilnehmerzahl gemessen werden?

Ein kleinerer Kreis, wie auch im letzten Jahr beim 2. Ökumenischen Fundraisingtag in Hamburg, macht eine vertiefte Qualität möglich. Die zeigt sich nicht nur in den erweiterten Methodenspielräumen für die Seminare und Workshops selbst, sondern vor allem in einem wesentlich intensiveren Austausch der Beteiligten untereinander. Wir haben schon nach dem Hamburger ÖKFT festgestellt, dass die Vernetzung und der anschließende Austausch über die Veranstaltung hinaus zwischen den TeilnehmerInnen viel intensiver und nachhaltiger sind. Wir haben diesmal wieder als Feedback zu hören bekommen, dass gerade das – also die Möglichkeit, dass jede/r mit jedem in den Austausch kommen kann – sehr geschätzt wird.

Als Veranstalter muss man sich ja doch immer fragen (lassen), ob der Aufwand noch in einem guten Verhältnis zur Resonanz steht.

_MG_1131 copyUnd ob sich insgesamt der zu beobachtende Trend rückläufiger Teilnehmerzahlen fortsetzt bei Formaten wie beispielsweise dem ÖKFT, aber auch anderen Veranstaltungen. Selbst die bislang renommierte Kollekta blieb davor nicht verschont.  Und was könnte das in der Konsequenz bedeuten?

 

  • Brauchen wir weniger Tagungen und Veranstaltungen,
  • brauchen wir andere Formate,
  • müssen die Abstände dazwischen größer werden,
  • brauchen wir mehr Absprachen der unterschiedlichen Veranstalter untereinander, weil sich vielleicht zu viel inhaltlich überschneidet,
  • oder sind die Leute einfach veranstaltungsmüde geworden?

Was ist Ihre/Eure Meinung dazu?

Über Susanne Reuter

Susanne Reuter ist geschäftsführende Gesellschafterin der Zentrum für Systemisches Fundraising. Seit 2005 verbindet sie systemische Organisationsberatung mit Fundraising und führt die Methode Systemisches Fundraising in die Fundraisinglandschaft ein.

2 Gedanken zu „Klein, aber fein: Der 8. Ökumenische Fundraisingtag in Hannover

  1. Ich habe keinen Erklärungsansatz, aber eine weitere Beobachtung: Der Deutsche Fundraisingkongress hatte trotz leicht gestiegener Preise eine zumindest gleichbleibende Teilnehmerzahl. Auch die regionalen Tage verzeichnen keine Rückgänge. Die Zielgruppen unterscheiden sich, überschneiden sich aber auch. Ist das also ein kirchenspezifisches Phänomen?

    1. Danke für deine Einschätzung, Reinhard. Ob das ein kirchenspezifisches Phänomen sein könnte, ist ein weiterer interessanter Aspekt, den man sicherlich selbstkritisch hinterfragen könnte. Allerdings wissen wir auch, dass die meisten aus der angesprochenen Zielgruppe weder zum Fr-Kongress gehen noch zu den Regionalgruppen…

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