Alles Coaching, oder was ?!

Nach Feierabend-Coaching, Familien-Coaching, Feng-Shui-Coaching, nun also auch Fundraising-Coaching: Die inflationäre Verwendung des Bindestrichs, mit dem das Beratungsformat „Coaching“ mit allerlei Themen zu einer Art Trainings-Tool legiert wird  (ja, auch Hunde-Coaching und Wohn-Coaching wurden bereits erfunden), feiert fröhliche Urstände – wer den Begriff “Fundraising-Coaching” googelt, stößt auf Tausende von Einträgen

Coaching für alles und jedes?

Inflation im Goldfischglas?
© LUCKAS – Fotolia.com

Coaching ist eine eigene Profession

Geläufig wurde der mittlerweile arg strapazierte Begriff „Coaching“ seit Ende des 19. Jahrhunderts in der Welt des Berufssports. Im allgemeinen Arbeitskontext aber wird „Coaching“ heute definiert als “professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung von Personen in Führungs- und Steuerungsfunktionen und von Experten in Organisationen” (Ulrike Wolff, Definition des Praxisfeldes Coaching, in: Coaching als Profession, Deutscher Bundesverband Coaching DBVC [Hrsg.], Osnabrück 2010, S. 18).

Familie, Feierabend, Feng-Shui – und jetzt Fundraising?

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Dialog, Dialog, Dialog!

Wie kommt Neues in die Welt des immer Gleichen?

Fundraising-Kongress 2014 – Nachbetrachtungen

War da etwa eine Palastrevolution im Gange? Nicht erst seit der letzten Mitgliederversammlung vor genau einem Jahr brodelt es im engagierten Teil der Mitglieder. Der Ruf nach Veränderungen im Deutschen Fundraising Verband (DFRV) ist nicht mehr zu übergehen überhören. Nach dem Motto „selbst ist das Mitglied“ nehmen einige Mutige das Herz in die Hand und fangen an. Kein leichter Weg, wie wir dann hinter den Kulissen vor dem und beim Deutschen Fundraising Kongress 2014 beobachten dürfen. Da wird mit allen Mitteln gekämpft – aber wofür (oder wogegen) genau eigentlich…?

Egal, jetzt ist der neue Vorstand gewählt!
Nach den Vorstandswahlen: Das neue Team steht!

©Christoph Müllerleile

Glückwunsch an die beherzten KollegInnen – wir halten die Daumen, dass mit ihnen Neues kommen kann und darf. Unterstützung werden sie bekommen. Das ist ein wichtiges Ergebnis des sogenannten „Sonderworkshops zur Gegenwart und Zukunft des Deutschen Fundraising Verbandes“.

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Fundraising als Chefsache: Ganz oben ist die Luft nicht dünn, sondern schlecht!

Die Bedingungen, unter denen wir leben, arbeiten und lieben verändern sich in den letzten zwanzig Jahren rasant. Nach einer gefühlten Ewigkeit von Stabilität und immerwährendem Aufschwung – die in Wirklichkeit gar nicht so lange gedauert hat – scheinen die Dinge um uns herum stets aufs Neue in Frage gestellt zu werden. Eine „Revolution“ löst die nächste ab. Auf „Generation X“ folgt „Generation Y“ und jüngst „Generation Z“. Jetzt müssten wir mit den Umlauten weiter machen…

Nur eines scheint sich nicht zu ändern: Das Gefühl, dass „die da oben“, die uns leiten und führen, wechselweise ohne Ahnung sind, oder borniert, unfähig, ohne soziale Kompetenz, Antreiber ohne Sinn und Verstand – die Liste ließe sich unschwer verlängern.

Fundraising als Chefsache braucht nicht unbedingt Helden!

© Tommaso Lizzul – Fotolia.com

Im Fundraising der heutigen Zeit wird derweil stolz vermeldet, wenn das Management Fundraising zur „Chefsache“ erklärt. Aber vielerorts mangelt es noch immer an der Übereinstimmung von Wort und Tat. Continue reading

Lass Sterntaler vom Himmel regnen! Großspenden-Fundraising

Und wieder scheint es, als werde ein neues Viech durchs Dorf getrieben. Mit Verheißungen allerorten: Du musst es nur RICHTIG machen. Dann winkt Dir der große, der mächtige Erfolg. Warren Buffet, Bill & Linda Gates, Dagobert Duck (setze hier einfach einen beliebigen schwerreichen Menschen ein) wird über Dich kommen und Dir und Deiner Organisation eine wundervolle, sorgenlose Zeit bescheren. Das Fundraiser-Magazin widmet gleich eine ganze Ausgabe diesem Thema.

Satire oder Wirklichkeit?

Sterntaler: © askaja - Fotolia

Sterntaler: © askaja – Fotolia

Sie kennen das auch: Der Vorstand einer Organisation will endlich den Sprung ins kalte Wasser wagen und eine ganze (!) Fundraising-Stelle einrichten. Erst einmal für zwei Jahre, man weiß ja nie, natürlich. Aber die beste Idee hat ein in Finanzdingen erfahrenes Vorstandsmitglied: Man möge doch das Fundraising ab sofort auf Großspender konzentrieren. Wie man hört, seien mehrere hunderttausend Euro Ertrag pro Jahr gang und gäbe in diesem speziellen und Wunder vollen Segment des Fundraisings. Und es liegt doch auf der Hand, dass da ein schier unschlagbares Verhältnis von Aufwand und Erlös entsteht. Warum ist da vorher bloß keiner drauf gekommen? Warum diese Mühen mit den vielen, kleinen Spenden?! Wir schicken mal unseren Verantwortlichen in eine der Großspenden-Fundraiser-Fortbildungen – dann wird das schon…

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Dancing in the Dark

Jedes Jahr im Januar ist es soweit: Die Szene der Großgruppen-ModeratorInnen trifft sich bei Mathias zur Bonsen in Oberursel zum Lernforum Großgruppen. Und immer wieder wird es am Sonntag, dem ersten Tag, spannend: hier kommt stets ein neuer Impuls, manchmal skurril, oft überraschend und immer sehr spannend.

Dieses Mal ein echtes Experiment: 140 Menschen arbeiten zusammen in einem komplett abgedunkelten Raum – alle, jeder und jede zu 4er-Gruppen im Stuhlkreis. Und nichts, aber auch gar nichts leuchtet. Armbanduhren, Handys werden abgelegt und weggesteckt, sogar die Leuchtdioden von Mikros und Verstärkern sind abgeklebt. Alle Ritzen an Fenstern und Türen sind abgedichtet. Zum Glück gibt’s eine Klimaanlage… Aber sehen können wir nichts mehr! Ganz gleich, ob du die Augen zu machst oder öffnest: Diese absolute Schwärze bleibt undurchdringlich für den Blick. Continue reading

Was ist eigentlich Fundraising?

Fundraising wird als die umfassende Mittelbeschaffung einer Organisation verstanden. Das können Finanz- oder Sachmittel sein, Rechte, Lizenzen und Informationen, Arbeits- oder Zeitspenden von Ehrenamtlichen oder unentgeltliche Dienstleistungen, es können aber genauso gut wichtige Kontakte oder Beziehungen zu relevanten Persönlichkeiten oder Personengruppen sein. Wir erleben jedoch immer wieder, dass der Begriff Fundraising meist auf die Einwerbung finanzieller Mittel reduziert wird – übrigens auch von ausgebildeten FundraiserInnen und sehr gerne von Journalisten. Deshalb wird er häufig kurzer Hand mit „Spendenwerbung“ übersetzt. (Siehe hierzu auch Kai Dörfners Blog.)

Gemeint jedoch ist viel mehr:

Das Wort stammt aus dem Englischen und ist zusammengesetzt aus „to raise“ und „funds“. Das heißt im übertragenen Sinne „Quellen erschließen“ oder gar „Schätze heben“. Continue reading

Die gelungene Zukunft: Denken Sie im Futur II !

Dieses Buch als Ferienlektüre und mein Tipp: sich als Fundraiserin und Fundraiser einmal ganz bewusst auf diese wundervollen, leicht zu lesenden Denkfiguren einlassen. Und anders aus dem Urlaub rauskommen, als Sie hineingegangen sind.

Harald Welzer ist Professor für Transformationsdesign, sein Thema sind Veränderungsprozesse. Und das Thema seines Buches ist die schleichende Verführung einer industriellen Denklogik, die sich über viele Jahrzehnte hinweg scheinbar unkontrolliert entwickeln durfte und uns suggeriert, dass in der kleinteiligen Optimierung von Prozessen unser Erfolg und unser Heil liegt. Diese Logik hat uns unser Gespür, unser Gefühl für die ganzen und großen Dimensionen unseres Lebens und unserer Umwelt weitgehend genommen. Und uns gleichzeitig gestattet, uns mit immer weniger immer intensiver zu beschäftigen, und nur noch für das Kleine verantwortlich sein zu müssen. Continue reading

Zwei Buchempfehlungen für stürmische Herbstabende

Heute zwei Buchempfehlungen für die Lektüre an stürmischen Herbstabenden oder auf längeren Dienstreisen in der Bahn:

Einfach mal NICHTS tun!
Jedem Zeitgenossen, der sich ständig unter dem Druck fühlt, aktiver-kreativer-schneller-effektiver arbeiten zu müssen, wird womöglich schon bei diesem Titel schwindlig. Recht so! Denn Marvin Weisbord und Sandra Janoff, erfahrene und international bekannte Begleiter des von ihnen entwickelten Future Search Verfahrens, stellen in alle gängigen Vorstellungen über das Leiten und Gestalten von Treffen, Sitzungen, Konferenzen etc. auf den Kopf. Sie zeigen, wie jedes der täglich millionenfach stattfindenden Treffen – ganz gleich wo auf der Welt – als natürliche Gelegenheit genutzt werden kann, aus jedem einzelnen dieser Treffen etwas ganz Besonderes zu machen. Und so Schritt für Schritt die Welt zu verändern.

Wenn rechts links ist und links rechtsWer sein Handeln an einer Entweder-oder-Logik orientiert, ist zum Scheitern verurteilt. Das Leben funktioniert anders als die Logik. Ambivalenz ist daher angemessen und der Normalfall: ein Zeichen von Intelligenz und Rationalität. Wer seine Ziele erreichen will, muss in der Lage sein, um die Ecke zu denken. Welche Handlungsstrategien lassen sich für die Bewältigung von Paradoxien und widersprüchlichen Zielen entwickeln? Ein erhellendes und unterhaltsames Buch.

„Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!“ – Wie wir uns mit double-bind Fesseln anlegen.

Neues von den „blinden Flecken“…

Das Erkennungsmerkmal: Double-binds erzeugen die Illusion, man hätte eine Wahl, ohne sie einem wirklich zu geben.
Die Basis: Unerkanntes oder unbewusstes Dilemma (Paradoxon)
Wichtiges Kriterium: Unerfüllbarkeit oder Unmöglichkeit einem postulierten Anspruch gerecht zu werden – je höher der Anspruch, desto drastischer.
Die Rahmenbedingungen: Abhängigkeitsverhältnisse, möglichst unbewusst oder ausgeblendet (weil sie immer als unangenehm und nicht ohne große Verluste lösbar erscheinen)
Der Motor: verdeckte, sich widerstreitende Interessen

Das Rezept (Was brauchen wir dazu?): Continue reading