Probier’s mal mit… Gelassenheit?!


© djama - Fotolia.com

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Warum sich die Arbeit an der inneren Haltung lohnt.

Kennen Sie das auch? Dieses Gefühl, wenn Sie als Führungskraft, Fundraiserin, Ehrenamtliche oder Mitarbeiter Ihre Vorschläge abgeliefert haben und die anderen seit Ewigkeiten darüber diskutieren? Wo eigentlich längst klar sein müsste, dass doch Ihre Logik bestechend ist! Oder wenn Sie unbedingt das Eine noch durchbringen wollen, weil augenscheinlich die Zeit drängt und Sie es endlich vom Tisch haben wollen? Oder das Wissen, sich schon viel zu lange im Hamsterrad zu drehen, aber zu glauben: nur noch diese eine Runde, dann…? Oder das ungute Gefühl, wenn ein Konflikt aufkeimt und auch Sie sofort ganz viel dafür tun, dass sich alle ganz schnell wieder „lieb haben“? Ich könnte hier noch jede Menge weiterer Beispiele nennen und Sie erkennen sich vielleicht wieder. In solchen Momenten spüren wir Anspannung, Stress, Kontrollbedürfnis, Verbissenheit, Angst, Bedrängnis, Überforderung, … Wer will sich schon so fühlen?

Was alles wird ausgeblendet, wenn mich diese Emotionen beherrschen?! Wie viele Handlungsoptionen oder Lösungswege kann ich dann nicht sehen, weil ich vor allem von diesen unangenehmen Gefühlen und Gedanken beherrscht werde?

Ich kenne da jemanden, der in solch bedrohlichen Situationen einen guten Rat weiß:

Balu, der Bär. Sein Song aus dem Dschungelbuch „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ ist nichts anderes als die Aufforderung zur Gelassenheit. Noch besser erklären Bjarne Mädel (Tatortreiniger, Mord mit Aussicht) und Elmo (Sesamstraße) das Phänomen  – Kurz: Gelassenheit ist der Schlüssel zu einer inneren Haltung, die vieles leichter werden lässt.

„Gleichmut“, „innere Ruhe“, „Gemütsruhe“ oder „Coolness“

Diese Begriffe beschreiben sehr gut, um was es dabei geht. Wer gelassen ist, wird deshalb nicht weniger Perfektion oder Erfolg anstreben, aber er wird es mit einer deutlich anderen inneren Haltung tun. Wer gelassen, also innerlich ruhig ist, kann Dinge geschehen und auf sich wirken lassen, ohne sich gleich selbst betroffen, allein verantwortlich, angegriffen oder gar in Frage gestellt zu fühlen. Gelassenheit führt dazu, dass wir das, was ist, was wir erleben oder beobachten, was mit oder um uns geschieht nicht sofort (be-)werten, sondern es sein lassen, es zulassen und nicht abwehren. Wir sagen, denken und fühlen: Es ist, es darf sein – egal wie widersprüchlich, ärgerlich, störend, nervig es auf den ersten Blick erscheinen mag. Gelassene schauen ruhig und distanziert darauf und fragen ganz unpersönlich: Was bedeutet das jetzt (für das Vorhaben, für den Moment, für das Thema, für den Konflikt,…)? Das nennt man auch ganz altmodisch „Beschaulichkeit“ – erstmal anschauen, dann weiter sehen.

Aber was geschieht in unserem Inneren, wenn wir
noch nicht gelassen sein können?
© alphaspirit - potolia.com

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Roswitha Königswieser sagt dazu in einem Aufsatz:
Ohne ein positives Selbstbild zu haben, ohne Freundschaft mit sich geschlossen zu haben – so formuliert es Laotse – kann man nicht gelassen sein. Menschen, die sich selbst nicht mögen, projizieren diese Ablehnung auf ihre Umwelt. Wer mit sich zufrieden ist, ist es auch mit den anderen. Wer sich selbst verzeiht, ist auch mit anderen gütig.


Die Umwelt ist wie ein Spiegel unseres Innenlebens. Wir meinen, die Wirklichkeit zu sehen, und sehen nur uns selbst. Was immer einen am anderen – dem Partner, den Mitarbeitern – aufregt, ist immer auch etwas, was man selbst zu haben fürchtet, an sich selbst ablehnt.

Gelassenheit ist also weit mehr
als einfach nur entspannt(er) zu sein.

Wer gelassen ist, kennt sich selbst und hat intensiv an sich selbst gearbeitet.
Wer gelassen ist,

  • praktiziert nicht einfach Pseudo-Entspanntheit nach dem Motto „laisser faire“,
  • widersteht dem Reflex, sofort zu (be-)werten,
  • betrachtet oder beobachtet deshalb andere und anderes empathisch,
  • hat prinzipiell einen unpersönlichen, konstruktiven Blick auf Personen und Dinge,
  • denkt und handelt wertschätzend, auch wenn eine Situation auf den ersten Blick problematisch erscheint,
  • wirkt extrem positiv auf andere, weil er Ruhe, Besonnenheit und Sicherheit vermittelt,
  • strahlt Persönlichkeit aus, die als angenehm und vertrauenswürdig wahrgenommen wird,
  • hat mehr Freude an den Dingen und Ereignissen, weil die reflexhafte Enge unguter Gefühle erst gar nicht aufkommt.

Und vermutlich auch mehr Freude an der Arbeit. Mir geht es jedenfalls so und ich kann sagen: Die Arbeit an und mit Gelassenheit hat sich gelohnt.

Aber wie kann ich gelassener werden?
© Sergey Nivens - Fotolia.com

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  1. Übe wahrzunehmen, was in dir selbst vorgeht: was spürst du körperlich, wie atmest du gerade, was fühlst du in diesem Moment, was hast du spontan gedacht und wie geht es dir dabei – und was verändert sich, wenn du dir das bewusst machst?
  2. Probiere einmal verschiedene Atemübungen aus. Bjarne und Elmo (siehe oben) zeigen sehr schön, wie uns das bewusste Atmen helfen kann.
  3. Generell sind Entspannungsübungen hilfreich. Menschen, die vor Bühnenauftritten stehen, nutzen sie, um sich zu zentrieren (ganz bei sich sein) und nur auf den kommenden Moment zu konzentrieren.
  4. Gib die Opferrolle auf oder nehme sie gar nicht erst ein.
  5. Stattdessen stärke deine Selbstachtung: Weise den „inneren Saboteur“ in seine Schranken und lasse Kritik von außen nicht mehr als nötig an dich heran – auch nicht die vermutete (das ist nämlich die Stimme des inneren Saboteurs).
  6. Vertraue deiner Intuition.
  7. Probiere einfach alles aus, das dir innere Ruhe, Zuversicht und Vertrauen in deine eigenen Stärken verleiht. Dies alles ist bereits in dir angelegt, du musst es nur erkennen und nutzen lernen (siehe Punkt 1).

 

Über Susanne Reuter

Susanne Reuter ist geschäftsführende Gesellschafterin der Zentrum für Systemisches Fundraising. Seit 2005 verbindet sie systemische Organisationsberatung mit Fundraising und führt die Methode Systemisches Fundraising in die Fundraisinglandschaft ein.

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