„Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!“ – Wie wir uns mit double-bind Fesseln anlegen.


Neues von den „blinden Flecken“…

Das Erkennungsmerkmal: Double-binds erzeugen die Illusion, man hätte eine Wahl, ohne sie einem wirklich zu geben.
Die Basis: Unerkanntes oder unbewusstes Dilemma (Paradoxon)
Wichtiges Kriterium: Unerfüllbarkeit oder Unmöglichkeit einem postulierten Anspruch gerecht zu werden – je höher der Anspruch, desto drastischer.
Die Rahmenbedingungen: Abhängigkeitsverhältnisse, möglichst unbewusst oder ausgeblendet (weil sie immer als unangenehm und nicht ohne große Verluste lösbar erscheinen)
Der Motor: verdeckte, sich widerstreitende Interessen

Das Rezept (Was brauchen wir dazu?):

  1. Kommunikation mit sich wiederholenden Mustern in ansteigender Emotionalität (verbal, nonverbal, schriftlich, …).
  2. Unausgesprochene Regeln (dos and don’ts – aktuelle Beispiele im Meme „Was ein Fundraiser nicht sagt…“).
  3. Keine Lösungen in Sicht bzw. vorstellbar („Schere im Kopf“).
  4. Ein primäres negatives Gebot, das durch ausgesprochene, suggerierte oder befürchete Sanktionen bzw. negative Konsequenzen verstärkt wird (“…aber mach mich nicht nass!”), und das im Widerspruch zum sekundären Gebot steht.
  5. Ein sekundäres Gebot, das durch deutliche Signale auffordernd unterstrichen wird (“Wasch mir den Pelz,…”), aber wiederum mit dem primären Gebot nicht in Einklang zu bringen ist.
  6. Ein tertiäres, meist verdecktes Gebot, das zum Einen bestimmte Kritikäußerungen und das Einziehen der Metaebene indirekt verbietet und es zum anderen den Beteiligten unmöglich erscheinen lässt, den Schauplatz der Auseinandersetzung zu ignorieren oder zu verlassen.

Gibt es einen Weg, auszusteigen? Ja.

  1. Den Double-bind erkennen und benennen,
  2. das Paradoxon und die verdeckten Interessen erst wertfrei aufdecken und dann (an-)erkennen,
  3. ggf. nach dem Watzlawick‘schen Prinzip mit einer paradoxen Intervention arbeiten (zum Beispiel einer Symptomverschreibung),
  4. Unterschiede identifizieren, anerkennen (also nicht bewerten) und sich deren Konsequenzen in Szenarien wertfrei verdeutlichen (best case, worst case, … ),
  5. mit dem „Entscheidungs-Tetralemma“ arbeiten (5 Felder: „Das Eine“, „Das Andere“, „Beides“, „Keines von alldem“ und „Etwas ganz Anderes“).
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Über Susanne Reuter

Susanne Reuter ist geschäftsführende Gesellschafterin der Zentrum für Systemisches Fundraising. Seit 2005 verbindet sie systemische Organisationsberatung mit Fundraising und führt die Methode Systemisches Fundraising in die Fundraisinglandschaft ein.

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