Finanznot in Zeiten von Corona

Wege aus der Krise mit Liquiditätsplanung

© Athitat – stock.adobe.com

Nahezu täglich gibt es neue Informationen über Corona-Hilfen, doch bislang gehen die meisten gemeinnützigen Organisationen noch leer aus. Die staatlichen Unterstützungsprogramme sind bisher wesentlich auf gewinnorientierte Unternehmen ausgerichtet. Dazu gehören auch die mittelständischen Unternehmen der Fundraising-Branche, die großen und kleinen Fundraising-Agenturen oder selbstständigen Berater*innen. Nicht wenige von ihnen stehen derzeit wegen Umsatzeinbußen vor finanziellen Herausforderungen mit dem Risiko der Insolvenz. Werden die liquiden Mittel reichen? Gibt es Wege und Möglichkeiten, Engpässe zu überbrücken?

Gemeinnützige Unternehmen sind genauso von der Corona-Krise betroffen! Viele von ihnen befürchten das Aus (darunter sind Kitas, Krankenhäuser oder staatlich geförderte Träger, aber auch kleinere, privat finanzierte bzw. auf Spenden angewiesene Vereine, Sozialunternehmen und Initiativen). Die Forderung, die staatlichen Unterstützungsprogramme auf den gesamten gemeinnützigen Sektor auszuweiten, wird lauter.

Einzelne Bundesländer arbeiten inzwischen daran, Darlehensprogramme anzubieten, die denen der KfW für mittelständische Unternehmen entsprechen. Damit ist Hilfe in Sicht, die über nicht zurück zahlbare Corona-Soforthilfen hinausgeht! Eine Liste der Corona-Soforthilfen der einzelnen Bundesländer für Vereine und andere gemeinnützige Organisationen findet man bei der Schomerus-Beratung für gesellschaftliches Engagement.

Wichtig zu wissen ist: Die KfW verzichtet bei ihren Corona-Darlehen zurzeit auf eine eigene Risikoprüfung und organisiert den Bewilligungs- und Auszahlungsprozess über die Hausbanken. Das bedeutet für viele Antragsteller jedoch nicht selten, dass ihrer Bank eine auf Monatswerten basierende Liquiditätsplanung mindestens bis Ende 2020 vorzulegen ist.

Das Zentrum für Systemisches Fundraising hat deshalb die Autorin gebeten, einen Beitrag zu diesem Spezialthema zu verfassen und fachliche Unterstüzung anzubieten (siehe unten).

Die Liquiditätsplanung ist ohnehin ein zentrales Instrument der Finanzplanung, das nicht erst in der Krise zum Einsatz kommen sollte.

Unternehmen müssen immer ihre jederzeitige Zahlungsfähigkeit und damit die eigene Bonität vorausschauend sichern! Voraussetzung dafür ist eine regelmäßige, detaillierte und zeitnahe Liquiditätsplanung. Der Grundgedanke ist einfach. Es gilt, innerhalb einer bestimmten Periode (z.B. Monat, Quartal, Jahr) systematisch und fortlaufend alle zu erwartenden Zahlungsausgänge und Zahlungseingänge in Beziehung zu setzen. Dies betrifft sowohl

  • den operativen Bereich (Einzahlungen aus Umsätzen, Auszahlungen für Wareneinkauf, Personalkosten, Raumkosten etc.), als auch
  • den Investitionsbereich (Ein- und Auszahlungen für z.B. Geschäftsausstattung) sowie
  • den Finanzierungsbereich (Einzahlungen durch Darlehen oder Gesellschafter und Auszahlungen für Tilgungen oder Privatentnahmen).

Im Fokus stehen Zeitpunkt und Betrag der einzelnen Zahlungszu- und -abflüsse, nicht der zugrundeliegende Anlass.

Und wer kennt es nicht: Das Ungleichgewicht von dringenden gegenüber wichtigen Aufgaben im Bereich Liquidität?!

Quelle: https://commitly.com/liquiditaetsplanung-grundlagen

Letztlich geht es bei der Liquiditätsplanung darum,
Handlungsspielräume zu identifizieren.

Und darum, Handlungssicherheit zu erzeugen bzw. zurückzugewinnen. Gerade jetzt in Zeiten der Corona-Verfügungen ist das für kleine Unternehmen oder Solo-Selbstständige und auch für viele gemeinnützige Akteure ein wesentliches Instrument der Zukunftssicherung.

Eine überzeugende Liquiditätsplanung gibt nicht nur den Verantwortlichen selbst Klarheit. Sie kann auch ein wichtiges Instrument für die Mittelbeschaffung sein – ganz gleich ob als Unternehmer*in in Verhandlungen mit der Hausbank oder als spendensammelnde Organisation bei der Werbung um Unterstützung in der Krise.

Frühzeitig Liquiditätsengpässe erkennen

Eine Corona bedingte Liquiditätsplanung bildet im Groben diese Faktoren ab (Beispiele).

Einnahmeausfälle und erhöhte Ausgaben werden mit den Mittelzuflüssen aus möglichen Gegenmaßnahmen im Betrachtungszeitraum verrechnet (siehe Grafik). Aus der rechnerischen Differenz ergeben sich die Liquiditätsengpässe oder -lücken. Ist absehbar, dass diese nicht aus eigenen Mitteln gedeckt werden können, wird Überbrückung notwendig. Je früher dies in der vorausschauenden Finanzplanung erkannt wird, um so aussichtsreicher ist die Suche nach finanzieller Unterstützung – bei Banken wie bei privaten Unterstützer*innen!

Es gibt zahlreiche Excel-Vorlagen für die Liquiditätsplanung, aber mit den derzeit aktuellen Anforderungen an eine Planung wird die Komplexität für eine Standard-Tabelle schnell zu groß. Für eine überzeugende Liquiditätsplanung sollten Sie Expertenberatung hinzuziehen und die passenden Werkzeuge: Erforderlich sind professionelle Software-Programme für die integrierte Ergebnis- und Finanzplanung, mit denen die oben skizzierten Anforderungen detailliert für die Hausbank oder private Geldgeber*innen abzubilden sind.

Natürlich bleibt es für viele Unternehmen, Selbstständige oder spendensammelnde Organisationen eine Herausforderung, die Umsatzentwicklung und veränderten Kostenstrukturen einzuschätzen. Sie werden sehr davon abhängen, wie lange die verfügten Einschränkungen jeweils bestehen bleiben. Hier kann die Planung in Form mehrerer Szenarien helfen, Orientierung zu gewinnen.

© thinglass – stock.adobe.com

Wer in Szenarien denkt und mögliche Entwicklungen antizipiert, verschafft sich einen Überblick und kann unternehmerische Entscheidungen fällen.

Die krisenbedingten Kontakteinschränkungen in der täglichen Zusammenarbeit stellen inzwischen mit spezialisierten Berater*innen keine zusätzlichen Herausforderungen mehr dar: Via Telefon, Videokonferenzen und professioneller Software-Lösungen zum Teilen von Bildschirminhalten ist die Kommunikation und der Austausch von Daten – auch mit Steuer- oder Firmenkundenberater*innen – gesichert.

Wegbegleitung durch die Krise

Wenn Sie Unterstützung bei Ihrer Liquiditätsplanung benötigen, nehmen Sie gerne Kontakt zur Autorin auf. Nutzen Sie ihre langjährige Erfahrung und Expertise in der Finanzierung von Unternehmen und der Finanzplanung gemeinnütziger Organisationen sowie in der Zusammenarbeit mit Banken und Sparkassen.

Doris Andresen-Zöphel ist zudem zertifizierte BAFA-Beraterin, weshalb die Beratung für Unternehmen unter Umständen sogar kostenlos ist. Eine ausführliche Darstellung der aktuellen Förderrichtlinie finden Sie auf der Homepage www.bafa.de im Merkblatt „Vom Coronavirus betroffene Unternehmen“.

Doris Andresen-Zöphel

Über Doris Andresen-Zöphel

Doris Andresen-Zöphel ist Inhaberin der planvoll controllingberatung (www.planvoll.com). Sie ist spezialisiert auf die Begleitung von KMU, Verbänden und Vereinen in Phasen von Wachstum, Krise oder Umstrukturierung. Sie ist zertifiziertes Beratermitglied im Hamburger Consulting Forum e.V. und zertifizierte BAFA-Beraterin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.