Handwerk und Organisation gleichzeitig entwickeln – geht das?

Wir finden: ja. Es ergibt unserer Erfahrung nach keinen Sinn, entweder so lange zu warten, bis die viel zitierte „institutional readiness“ einer Organisation optimal zu sein scheint, um dann erst mit dem Fundraisinghandwerk loszulegen. Oder umgekehrt: Mit Fundraisingmaßnahmen loslegen und hoffen, dass die Organisation schon irgendwie mitgeht…

Deshalb handeln wir komplementär, das bedeutet: Der Kompetenzaufbau im Handwerk wird mit der Organisationsentwicklung verbunden bzw. verschränkt – beides geschieht nahezu gleichzeitig. Welcher der beiden Aspekte in den Vordergrund gerückt wird, hängt jeweils von der aktuellen Situation ab. Dazu muss man immer wieder darauf schauen, was gerade dran ist: Manchmal bringt ein Vortstoß im Handwerklichen die Beteiligten einen Schritt nach vorne, ein anderes Mal zeigt sich, dass erst noch eine Teilstruktur entwickelt, eine wichtige Entscheidung getroffen, oder noch davor die innere Haltung Beteiligter (offene Fragen, Unsicherheit, Widerstände, latente oder offene Konflikte etc.) thematisiert werden muss.

Das Werben um finanzielle Förderung und um Unterstützer birgt manchen Stolperstein. Viele Organisationen lassen sich von externen Fachberatern sagen, wie sie agieren sollen. Jedoch nehmen sie nicht immer ihre eigenen Mitarbei­tenden, Vorgesetzten, Gremien o. Ä. konsequent mit auf diesen Weg – und begehen damit unwissentlich einen Kardinalfehler, indem sie die Verantwortung für ihre eigene Entwicklung an ein Beratersystem delegieren. In der Umsetzung stellt sich meist heraus, dass sich der erhoffte Erfolg nur teilweise oder zögerlich einstellt. Dies hat mit einer mangelnden internen Identifikation in der Organisation und mit der fraglichen Rückendeckung seitens der Führungsebenen zu tun.

Oft führen Vorbehalte, Unsicherheiten oder Ablehnung dazu, dass sich Mitarbeitende oder Führungskräfte mit den Vorgehensweisen nicht identifizieren können bzw. wollen. Solange diese Aspekte nicht aufgeblendet und geklärt sind, kann die Arbeit eines Experten oder eines Beratungsunternehmens noch so brillant sein – sie wird in der Wirkung immer an ihre Grenzen stoßen.

Komplementär zu arbeiten bedeutet, vorhandene Kompetenzen in der Organisation aktivieren und systematisch nutzbar machen, strategische Finanzierungsmethoden und Fundraising in und mit den Strukturen einführen und aufbauen, das heißt: Organisationen können ihren Erfolg erheblich steigern, wenn es ihnen gelingt, Konzepte und Strategien intern zu verwurzeln, statt sie von außen aufsetzen zu wollen. Das heißt auch, dass die Organisationen selbst an den Konzepten und Strukturentwicklungen (mit-) arbeiten, weil mehr interne Beteiligung und Identifikation erreicht werden. Die Aufgabe ist es also, die Organisation auf mehreren Ebenen zu befähigen: Sowohl fachlich und handwerklich als auch strukturell und mental.

Wir machen sehr gute Erfahrungen mit dem Einbau temporärer Strukturen, die eine angemessene Querschnittsbeteiligung ermöglichen. Was heißt das? Nun: Von uns aus gesehen kann und soll z. B. durchaus auch eine Reinigungskraft, ein Rezptionist oder eine Küsterin beteiligt werden. Denn das implizite oder intuitive Wissen ist nicht zwingend an die fachlichen Funktionsträger gekoppelt – wie oft haben wir erlebt, dass aus völlig unerwarteten Richtungen Ideen und Vorschläge kamen, an die bislang niemand gedacht hat!?! Und die auch niemand der betreffenden Person zugetraut hätte…

Avatar

Über Susanne Reuter

Susanne Reuter ist geschäftsführende Gesellschafterin der Zentrum für Systemisches Fundraising GmbH. Seit 2005 verbindet sie systemische Organisationsberatung mit Fundraising und führt die Methode Systemisches Fundraising in die Fundraisinglandschaft ein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.